Thomas Kitzinger. «24.10.1955.» Portraits reduziert nur auf das Geburtsdatum

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

Was, wenn wir es mit einer Serie immer gleicher Portraits zu tun haben, in der die Dargestellten keine individuellen Merkmale zeigen? Seit 2008 arbeitet der Freiburger Maler Thomas Kitzinger im eigenen Auftrag an seiner potentiell unendlich angelegten, aktuell 100 Arbeiten umfassenden Serie «24.10.1955.». Dabei handelt es sich um frappierend lebensecht gemalte Brustbilder stets gleichen Formats (70 x 50 cm), die Menschen aus dem Umfeld des Künstlers in stets derselben "Versuchsanordnung" zeigen.

Alle Dargestellten sind, ohne besondere Gestik oder Mimik, unter immer gleichem Oberlicht, streng frontal und scharf umrissen, vor einem "leeren", der Zeit enthobenen, türkisgrünen Hintergrund, in einem weisslichen T-Shirt, ohne schmückendes Beiwerk, den Blick geradeaus direkt auf den Betrachter gerichtet, dargestellt. Erklärt sich eine Person bereit, gemalt zu werden, hat sie ungeschminkt, ohne übertriebene" Frisur zu erscheinen und legt alle äusserlichen wie persönlichen Attribute, wie zum Beispiel modische Kleidungsstücke, Brille, Ohrringe, Schmuck usw., ab.
201021 Thomas Kitzinger 24.10.1955 2008 2020 Thomas Kitzinger VG Bild Kunst Bonn 2020© Thomas Kitzinger VG Bild-Kunst Bonn 2020
Auf das rein äusserliche So-Sein reduziert, bannt Thomas Kitzinger die ausgewählten Personen mit Ölfarben auf Aluminiumplatten – dabei minutiös alle Details des portraitierten Kopfes wie Kopf- und Barthaare, Augen-, Lid- und Mundschnitt, Hautpigmentierung, Falten, Ohrformen usw. wiedergebend. Auch der Bildtitel gibt keinen Namen oder Beruf preis, sondern reduziert den Dargestellten auf das Geburtsdatum.

Thomas Kitzinger. «24.10.1955.» Kunstmuseum Singen 25. Oktober2020 bis 10. Januar 2021
Öffnungszeiten: Di-Fr: 14 -18 Uhr / Sa + So: 11-17 Uhr / Feiertag: wie Wochentag | 24.-26. Dez., 31. Dez., 01. Jan: geschlossen
Eintrittspreise: 5 Euro / 3 Euro ermässigt / Kinder bis 7 Jahre frei / donnerstags für alle Besucher frei
Ziel der mit dem Künstler vereinbarten Präsentation im Kunstmuseum Singen ist es, das Konzept der immer gleichen "Passbild-Komposition" und "neutralen" Tonwerte durch die streng lineare Hängung aller Portraitköpfe in umlaufender Reihe weiter zu steigern und damit noch sichtbarer zu machen. Drei Fragen gehen jedem Ausstellungsbesucher beim Rundgang nicht aus dem Kopf: Wie ist das gemacht? Mit was habe ich es hier zu tun? Und ich?



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