«Die letzten Europäer» Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

Eine umfangreiche Dauerleihgabe an das Jüdische Museum Hohenems ermöglicht einen vergleichenden Blick auf ein europäisches Jahrhundert anhand individueller und familiärer Geschichte. Ausgangspunkt für die Ausstellung "Die letzten Europäer" ist der Nachlass von Carlo Alberto Brunner, bestehend aus Briefen und Dokumenten, Memorabilia und Alltagsgegenständen der Hohenemser Familie Brunner. Parallel dazu wird das Museum ein Jahr lang Ort einer offenen Debatte über die Zukunft Europas sein, indem es zum Diskurs über die reale und die ideelle Substanz der Europäischen Union aufruft, über Gefährdungs- und Chancenpotentiale, über zukunftsweisende und überkommene Konzepte.

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Europa von einem Rückfall in nationalistische und fremdenfeindliche Ideologien bedroht. Der europäische Imperativ "Nie wieder!" wird von vielen in Frage gestellt. Zugleich entdecken Europas Nationalisten ihre eigene Fantasie vom "christlich-jüdischen Abendland" – als Kampfbegriff gegen Zuwanderung und Integration. Die Werte der Aufklärung, die die Grundlage europäischer Verständigung nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts bildeten, werden in ihr Gegenteil verkehrt und so zum Mittel der Abschottung und der Ausgrenzung.
201029 Europaer007Ausstellungsansicht Fotos: Dietmar Walser © Jüdisches Museum Hohenems
Während der Corona-Pandemie ist die Europäische Gemeinschaft weiter auseinander statt näher zusammengerückt. Nationale Interessen werden gegen europäische Lösungen ausgespielt. Vor diesem Hintergrund blickt das Jüdische Museum Hohenems auf jüdische Individuen, die angesichts der Zerstörungen Europas und der versuchten Vernichtung der europäischen Juden im 20. Jahrhundert nationale und kulturelle Grenzen überschritten und die universelle Geltung von Menschenrechten erneut vehement einforderten. Anhand ihres Engagements für ein geeintes und friedliches Europa erkundet die Ausstellung gleichzeitig dessen neuerliche Bedrohung.


«Die letzten Europäer» Jüdisches Museum Hohenems - 04. Oktober 2020 bis 03. Oktober 2021
Öffnungszeiten Museum und Café: Di bis So 10–17 Uhr und an Feiertagen Öffnungszeiten Bibliothek: Di bis Fr 10–12 Uhr und 14-16 Uhr
Die Hohenemser Familie Brunner wanderte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Triest aus, um an der rasanten Entwicklung der habsburgischen Mittelmeermetropole teilzunehmen. Ihre Familiensaga wird zum Ausgangspunkt einer offenen Debatte über die Zukunft Europas, die ein Jahr lang - in Zusammenarbeit mit der Central European University – geführt werden wird.
201029 JMH Europer 3 Brunner Fotoalbum CR Dietmar WalserFotos: Dietmar Walser © Jüdisches Museum Hohenems / Fotoalbum mit Aufnahmen des land- und viehwirtschaftlichen Betriebes der Familie Brunner, sowie Gruppenfotos und Porträtaufnahmen

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